Wo Licht und Wärme sind, sind auch Dunkelheit und Kälte

Diesen Satz lese ich heute in meiner Reflexion zur sechsten Rauhnacht.

Wie wahr und wie nah nebeneinander! Und nicht selten auch herbeigesehnt, zum Beispiel an besonders heißen Tagen, wenn die Sonne herabbrennt und man sich nichts sehnlicher wünscht als etwas Schatten und Kühle.

Ich durchlebe immer wieder Zeiten des Glücks, der Zufriedenheit und der inneren Stabilität, ebenso häufig überkommt mich Leere, Sinnlosigkeit, Traurigkeit. Diese Phasen würde ich nur als gerne schnell wieder wegdrücken und in Glückseligkeit verwandeln. Geht leider nicht. Diese Zustände dürfen ausgehalten und durchlebt werden, denn sie trainieren mich in Dankbarkeit und Wertschätzung.

Ich bin mir nicht sicher, ob ein Leben voller Glück und andauernden Hochs die Notwendigkeit der Dankbarkeit fühlbar nahegebracht hätte.Auf dem Lebensweg Herausforderungen zu meistern, ist Teil unserer Aufgaben. In schwierigen Phasen besinne ich mich immer bewusst auf im-Vertrauen-bleiben und bin nicht selten überrascht, wenn mein Gemütszustand sich flott wieder verändert, obwohl ich das nicht für möglich gehalten habe!

Ich wünsche euch viel Vertrauen im Jahr 2026!

Christine

Mut fürs Leben

Vor allem in dieser Jahreszeit mit dem nahenden Weihnachtsfest klafft die Lücke im Herzen, im Leben, im Alltag bei all jenen, die Menschen in der vergangenen gehen ließen/lassen mussten oft besonders offen und schmerzhaft.

Es gibt kein Kleinreden des Schmerzes, oft keinen wirklichen Trost von außen. Für mich ist dies jenseits meiner Diagnose und des Wegs meiner Heilung eines der Lebensthemen, in denen man erkennt, erlebt und wirklich hautnah erfährt, dass man auf sich zurückgeworfen ist und diese Herausforderung ganz allein bestehen muss. Ja, es gibt im besten Fall Menschen, die tiefes Verständnis und Trost spenden können. Das ist in jedem Fall wertvoll und wunderbar. Dennoch stecken sie in eigenen Leben und Körpern mit eigenen Themen und Gefühlen, können also niemals die Tragweite erfahren, mit der ich selber die Situation fühle und erlebe.

In diesen herausfordernden Zeiten mache ich mir bewusst, Teil des Ganzen zu sein. Alles hat seinen Platz, seine Notwendigkeit und Richtigkeit. Tägliche Übungen und der Dankbarkeit, den Fokus auf das zu richten, was gut ist in meinem Leben, helfen mir dabei, den Mut fürs Leben nicht zu verlieren! Bewusst verabschiede ich mich von Erwartungen ans Außen und richte meine Energie auf mich und mein Wohlergehen und-befinden. Tägliches Niederschreiben dessen, was mich bewegt, trägt mich sehr!

Möge eure innere Sicherheit und Stabilität, das Vertrauen und der Mut fürs Leben stetig wachsen und ihr Strategien finden, die diese Mission unterstützen!

Frohe Weihnachten

Christine

Abschied in einer Begleitung

… man sagt, dass Sterbende oft einen Moment zum Gehen wählen, wenn sie allein sind. Ich dachte mir nach unserem Eis-Date, ich könnte einen Tag Pause einlegen…

Dann erreichte mich früh am übernächsten Tag ein Anruf, dass der Mensch eingeschlafen war. Ich hatte es kein weiteres Mal geschafft, ihn zu besuchen.

Im Pflegeheim fand am gleichen Tag eine würdige Verabschiedung im Kreise der Pfleger statt. Von einer derartigen achtsamen Geste war ich sehr gerührt, ich wurde dazu gebeten, um noch eine letztes Mal Abschied zu nehmen. Feierliche Musik und Blumen sorgten für einen würdevollen Rahmen. Jeder Teilnehmer durfte noch „Danke“ sagen für einen besonderen Moment mit dem Menschen.

Damit ging dieses Kapitel zu Ende. Es fühlte sich rund und richtig an. Zuhause steht für jeden von mir bisher begleiteten Menschen ein Teelicht auf meiner Kommode, die ich von Zeit zu Zeit anzünde und ein paar Gedanken an die gemeinsame Zeit denke!

Eine schöne Woche

Christine

Gemeinsames Eisessen – Abschied in der Begleitung

Die Verabschiedung hat in einer Begleitung einen ganz besonderen Stellenwert. Man weiß nie, ob der Mensch ein nächstes Mal da sein wird. Deshalb gewöhnt man sich als Begleiter frühzeitig an, sich achtsam zu verabschieden. Versprechungen, die möglicherweise nicht eingehalten werden, vermeidet man tunlichst. Man achtet auf eine offene Formulierung, die alle Möglichkeiten einschließt.

Als ich am nächsten Tag zu „meinem“ Begleiteten kam, saß er relativ frisch und aufrecht im Bett, schwach, aber voll ansprechbar. Die Freude über Spaghetti-Eis und Beeren war groß und auch, wenn die Portion, die der Mensch zu sich nahm, in meiner Wahrnehmung mikroskopisch klein war, so war der Genuss sichtlich groß! Allerhand finanzielle Sorgen wurden noch geteilt und wie immer auch der Zustand des Körpers gemeinsam analysiert.

Nach eineinhalb Stunden verabschiedete ich mich in dem festen Glauben, diese Themen ein weiteres Mal wälzen zu können…

Einen schöne Woche für alle!

Christine

Der Abschied in einer Begleitung Teil II

Ich habe ja die Fortsetzung versprochen.

An diesem Tag ging das Leben meines Begleiteten noch nicht zu Ende. Er antwortete sogar auf eine Frage der Pflegerin, dennoch ging ich sehr nachdenklich und mit dem festen Plan, am nächsten Morgen wieder zu kommen… als ich diesen in die Tat umsetzte, fand ich den Menschen relativ aufrecht sitzend, klaren Verstandes und gewohnt freudig über meinen Besuch vor! Welch unglaubliche Überraschung für mich!

Erneut unterhielten wir uns über viele verschiedene Themen, unter anderem gestand er mir seine Schwäche für Eis und Beeren. Ein Wunsch war, nochmal Eis und Beeren genießen zu dürfen, also vereinbarten wir, dass ich am nächsten Tag mit den Wunsch-Sorten wiederkommen würde. Eine leichte Spannung blieb zwar bei mir, wie die Verfassung am nächsten Tag bei ihm sein würde, aber mein Bauchgefühl beruhigte mich. Würde er es schaffen, am nächsten Tag mit mir gemeinsam zu schlemmen? Ich glaubte immer fester daran…

Fortsetzung folgt…

Einen guten Wochenstart in die erste Adventswoche

Christine

Zertifizierung

Seit Samstag ist es amtlich. Im Rahmen einer würdevollen Feier wurden wir Neuzugänge in der Hospiz Arbeit nach einem guten Dreivierteljahr intensivem Kurs zertifiziert und sind somit fertig mit der Theorie Ausbildung. In der Praxis lernt man, wie im ganzen Leben, wohl nie aus.

Sie wird fehlen, die Zeit in der Gruppe. Die Menschen, die sich für diesen Weg entschieden haben und ihn mitgegangen sind, sind sehr besonderes und die inhaltliche Arbeit schafft ein großes Wir-Gefühl und eine Begegnung auf einer zutiefst menschlichen Ebene. Dies reflektierten wir alle am Samstag. Immer, wenn man sich trifft, geht einem das Herz auf, was für ein Geschenk, und sind wir auch noch so unterschiedlich, uns eint nun soviel, wir haben vieles geteilt und eine besondere Nähe erlebt, die außergewöhnlich ist. Die Teilnehmer aus vorangegangenen Kursen schilderten unisono gleiche Eindrücke und Erfahrungen. In der Praxis werden wir uns nicht mehr so häufig treffen, da die Arbeit, die Fortbildungen und die Supervisionen gebietsabhängig sind. Ein regelmäßiger Stammtisch ist in Planung… wir werden sehen.

Die Praxis beginnt nun für jeden, ich bin gerade in der Findungsphase, mich in einer Trauergruppe für Kinder zu engagieren, das bedeutet eine anschließende Weiterbildung zur Trauerbegleiterin. Spätestens im neuen Jahr fällt die Entscheidung!

Die gute Energie dieser Gruppe ist einzigartig, heilsam und wundervoll. Was für ein großes Geschenk!

Eine wundervolle Woche

Christine

Der Abschied in einer Begleitung

Unweigerlich führt eine Begleitung früher oder später zum Loslassen und voneinander verabschieden.

Mein begleiteter Mensch lag nach ungefähr zwei Wochen bewusster Besuche, Gespräche und Wahrnehmung eines Tages schlafend in seinem Bett. Seine seltenen Atemzüge und das Nicht-Reagieren auf meine Ansprache oder Berührung offenbarte mir, dass unser gemeinsames Stückchen Weg nun ein greifbares Ende haben wird. Ein eigenartiges Gefühl für mich, das ich bereits bei sterbenden Verwandten in der Vergangenheit verspürte. Unvorstellbar fast, denn in allem, was ich über einen Zeitraum regelmäßig tue, entwickelt sich für mich eine Routine. Besuche beispielsweise in der Palliativ – Station. Dass diese jeweilige Routine endet, ist unvorstellbarerweise immer wieder eine neue Erfahrung für mich, obwohl ich dies schon mehrfach erlebt habe.

Ich saß an dem Tag am Krankenbett, hielt die Hand und blieb geraume Zeit, in der ich versuchte, den Atem Rhythmus aufzunehmen und bei besonders schweren Atemzügen leise kommentierte, dass ich spüre, dass das Leben und vermutlich das letzte Stückchen Weg für den Menschen manchmal sehr schwer zu schaffen war und wäre. Mein Geist rekapitulierte nochmal alle unsere Gespräche und Erlebnisse und ich dankte stumm für die geteilte Zeit und das Vertrauen.

Ich verabschiedete mich schließlich in dem Bewusstsein, dass es das letzte Mal gewesen sein könnte… war es aber nicht, so viel verrate ich schon mal!

Eine gesegnete Woche!

Christine

Heilkraft der Natur

Mit den großen und kleinen Fragen des Lebens zu hadern und aus der Spur des Vertrauens ins Leben zu rutschen, kennt höchstwahrscheinlich jeder Mensch. Gewissensfragen, Moral, Ethik, die Liebe… immer wieder sind wir gefordert, Stellung zu beziehen, im besten Fall in unserem eigenen Sinn!

Die Natur ist der beste Ratgeber für mich in herausfordernden Zeiten. Der Lauf der Jahreszeiten, die Sicherheit, das alles einfach kommt und geht, ohne das „Warum“ zu hinterfragen, gibt mir Zuversicht und Kraft, weil ich mich als Teil der mich umgebenden Natur, als Teil des großen Ganzen wahrnehme.

Ein Blatt am Baum lebt sein Leben ab dem Frühling bis es im Herbst verwelkt und abfällt. Ob es sich jemals bewusst ist, Teil eines Baumes zu sein, erschließt sich mir nicht. Es zeigt mir aber deutlich, dass das Leben viel größer ist, als der winzig kleine Ausschnitt, den ich wahrzunehmen vermag.

Ich sehe das Blatt gerne als Metapher für mein eigenes Leben: ich bin Teil von etwas größerem, lebe und bewege mich darin, bis es Zeit ist, zu vergehen im Vertrauen, dass all das gut und richtig ist!

Bleibt im Vertrauen! Alles Liebe!

Christine

Anleitung zum würdevollen Sterben

Es wäre in meiner Wahrnehmung hilfreich und wundervoll, wenn wir für all die Herausforderungen, die uns im Leben begegnen, Anleitungen und Gebrauchsanweisungen sozusagen frei Haus gleich mitgeschickt bekämen… so ist es aber nicht, wie wir alle immer wieder erleben und erfahren. Manchmal schmerzlich, manchmal überraschend, manchmal dankbar oder zur eigenen Freude. Geburt – Leben -Tod, das haben wir alle zu bewältigen, wir sitzen im gleichen Boot und sind dennoch häufig weit voreinander entfernt, dabei wäre es hilfreich und heilsam, alles zu teilen und gemeinsam zu tragen.

Vergangene Woche war ich auf der Beerdigung eines lieben Mitsängers aus meiner Chorgemeinschaft. Nach einer Krebserkrankung entschied er sich gegen weitere Maßnahmen und regelte detailliert, durchdacht und komplett all seine Belange inklusive der Beerdigung. Sein Leben war durchgängig geprägt von Gemeinschaft, Solidarität, Engagement im Vereinsleben, Hilfsbereitschaft, Fröhlichkeit und der konsequenten Hinwendung zu Mitmenschen. Seine Ausstrahlung war positiv und machte jedes Treffen ein bisschen schöner. Besonders in Erinnerung wird mir bleiben, dass er in einer völlig absurden Situation in seiner Jackentasche einen Schraubenzieher zur Verfügung hatte, als ich einen Schmetterling befreien wollte😀.

Sein langsames Gehen von dieser Welt ging er ebenso bewusst wie sein Leben an. Bis zum Ende war er voll da, konnte selbstständig gehen und noch ein bisschen reden, bis er schließlich mitten unter einer Unterhaltung einfach einschlief, und das dann für immer.

Seine Beerdigung war ein würdiger Abschluss eines wahnsinnig würdevollen Lebens und Sterbens! Beeindruckend und inspirierend, eine Anleitung für mein eigenes Dasein!

Eine tolle Woche

Christine

Übung zum Loslassen

In einer Kurseinheit in der Hospizbegleiter Ausbildung durften wir auf fünf verschiedenen Zetteln zu konkreten Fragen (zum Beispiel: welche körperliche Fähigkeit ist mir besonders wichtig oder bei wem fühle ich mich besonders geborgen) unsere ganz persönlichen Antworten aufschreiben. Diese Zettel falteten wir so zusammen, dass sie möglichst identisch aussahen.

Nun mussten wir uns einen aussuchen und weg legen. Dann den nächsten. Dann unseren Nachbarn bitten, einen zu ziehen und weg zu legen. Dann kam noch der Kursleiter und entledigte uns des vorletzten Zettels. Den letzten durften wir schließlich öffnen. Was blieb, war nicht die große Frage, sondern wovon musste ich mich verabschieden. Und welche Gefühle sind mit der Vorstellung verbunden, wirklich wichtige Dinge des Lebens gehen lassen zu müssen. Es entspann sich eine wertvolle Diskussion, wem was besonders wichtig ist und worauf man vermeintlich locker verzichten könnte. Alles aus der Theorie und Vorstellung heraus.

Am Ende des Lebens wird man damit konfrontiert, alles, was einem lieb und teuer ist, loszulassen. Ich bin der festen Überzeugung, dass man dies üben kann, indem man sich dieses Thema bewusst macht und ab und zu „was wäre wenn“ gedanklich durchspielt!

Eine wundervolle Woche

Christine